#12 山

#12 山

山 – shān – der Berg

Anfang März habe ich einige Unternehmungen und Reisen fixiert, unter anderem auch eine Wanderung auf dem Zhuilu Old Trail in der Taroko Schlucht in Kombination mit einer kleinen Sightseeing-Wandertour. Organisiert wurde das Ganze von Taiwan Adventures, einer kleinen Agentur für geführte Wanderungen. Am letzten Wochenende war als auch endlich soweit: ich bin zu Mittag nach Taipei aufgebrochen, um dort um 19.00 Uhr die anderen Teilnehmer und den Gruppenleiter zu treffen und gemeinsam zur Unterkunft zu fahren.

Selbige lag am Tor zur Schlucht und war ein supersüßes Bed&Breakfast das für das Wochenende ganz uns gehörte. Nach kurzer Einweisung und Programmablauf der kommenden 2 Tage bezogen wir die Zimmer und genossen ein paar Stunden Schlaf, bis wir schließlich von Vogelgezwitscher und einem krähenden Hahn pünktlich geweckt wurden. Ein kleines, aber feines Frühstück erleichterte den Start in den Tag, und mit frischen Früchten, einem Spiegelei und Toast haben die Besitzer des B&B genau unseren Geschmack getroffen :)

Dann hieß es: Rucksack packen, Wandergewand anziehen und ab in den Van. Mit 2 VW-Bussen brachten uns die 2 Tourleiter Stu und Chris zum ersten Trail, dem berühmten Zhuilu Old Trail. Für diesen wurden im Vorhinein sogenannte „Permits“ auf unsere Namen angefordert, da nur eine bestimmte Anzahl von Leuten pro Tag den Weg besteigen darf. Diese Permits dienen unter anderem der Sicherheit der Wanderer, da bestimmte Trails sehr schwierig sind und man vermeiden möchte, dass Leute sich überschätzen und in Schwierigkeiten geraten.

Der Zhuilu Trail beginnt mit einem Ausweis-Check am Eingang vor der Hängebrücke – wenn schon, denn schon. Nachdem wir alle kontrolliert wurden und nochmal bestätigt haben dass wir wissen worauf wir uns einlassen, ging es los…endlich! Einmal die große Hängebrücke überqueren, die uns auf die andere Seite der Schlucht bringt und uns einen atemberaubenden Blick auf die Strömung unter uns, und die Steilhänge über uns, bot.
Noch ein kurzer Warnhinweis und Verhaltensregeln von den Tourleitern (Schlangen, Affen, Wespen, man sollte auf alles vorbereitet sein), dann setzte sich die 14 köpfige Gruppe langsam in Bewegung.

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Rückblende: Als ich vor einem Jahr angefangen habe mehr über Taiwan und meine möglichen Aktivitäten rauszufinden, stieß ich auf diese Schlucht und die vielen Trails. Für mich stand fest: ich will in Taiwan viel wandern, Wasserfälle sehen und in mindestens einem Hot Spring baden. Da ich zu jener Zeit körperlich in einer Verfassung war, die das vermutlich nicht so ohne Weiteres zugelassen hätte, war eine Motivation für die unzähligen Fitnessstudio-Besuche eindeutig diese Schlucht.
Und es hat sich ausgezahlt, ich bildete weder das Schlusslicht, noch ging es mit sonderlich schlecht beim Aufstieg – einzig die Hitze und Luftfeuchtigkeit waren echt heftig.

Der Weg hinauf bestand teils aus Stufen, teils aus Geröll, teils aus unbefestigten Wegen die nur mit Hilfe von Seilen passiert werden konnten. Der Aufstieg dauerte knappe 2,5 Stunden und der Trail ist insgesamt 3,4km lang – in eine Richtung. Nicht besonders viel, jedoch sind die Höhenmeter die man hierbei auf der kurzen Distanz zurücklegt, nicht zu unterschätzen. Die Klippen selbst sind rund 500 Meter tief, der gesamte Aufstieg bedeutet knappe 700 Höhenmeter zu bewältigen. Klingt nicht viel, wenn ich bedenke dass die Bärenschützklamm mit über 1100 Metern und weit größerer Distanz zu Buche schlägt… aber in Kombination mit dem Klima hier war es doch anders. 
Die letzten 400 Meter geht man nahezu eben entlang der Klippen, meist ohne Sicherheitsabsperrung – und die schmalste Stelle beträgt nur knappe 60 cm. Also Höhenangst sollte man hier nicht haben! Wir haben außerdem extremes Glück mit dem Wetter gehabt: Klare Sicht nach unten! (Es kommt nicht selten vor dass man oben ankommt und sich in einer Nebelsuppe wiederfindet.)

und so sieht der Spaß von unten aus.... da oben waren wir! :D

und so sieht der Spaß von unten aus.... da oben waren wir! :D

Der Trail war ursprünglich ein knapp 10km langer Wanderweg, aufgrund von Unwettern wurde aber ein Teil des Weges beschädigt und seitdem muss man nach den Klippen umkehren und den gleichen Weg retourgehen. Nach einem schnellen Snack nahmen wir den Abstieg in Angriff, und nach weiteren 2 Stunden waren wir auch alle heil wieder unten.


Nachdem wir noch genügend Zeit hatten, fuhren wir noch zu einem kleinen Wanderweg der uns auch an einem kleinen Markt des indigenen Stammes vorbeiführte, wo wir Liköre und Snacks probieren konnten. Die Taroko Schlucht ist nämlich nach genau diesem Volk benannt, es gibt immer noch einige Siedlungen entlang der Schlucht und die Menschen lassen die Touristen teilweise gerne an ihren Traditionen teilhaben. Teilweise sind aber auch bestimmte Wege zeitenweise gesperrt, damit die Menschen auch ihr normales Leben weiterführen können, ohne von Besuchern gestört zu werden. Das finde ich richtig super! :)
Am Ende des 3km langen Weges genossen wir noch ein Bad im eiskalten, tiefblauen Wasser, bevor es zurück in die Unterkunft ging: Duschen war schon dringend notwendig, und der Hunger quälte uns mittlerweile auch schon ziemlich.

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Zum Abendessen wurden wir ins He Xiang (禾湘火鍋) zum Hot Pot essen entführt – das erste mal richtigen Hot Pot! Man konnte zwischen 8 oder 9 Suppen aussuchen (Ich habe mit Pilz-Suppe nicht daneben gegriffen) und dann ging man zum Buffet und holte sich Fisch, Fleisch, Gemüse, Pilze und sonstige Einlagen, die man dann in seinem eigenen Hot Pot am Tisch kocht. Das war einfach ein grandioser Abschluss des ersten Tages, nach 2 Stunden Völlerei sind wir dann müde aber glücklich heimgefahren und haben wie Steine geschlafen :)
 

Am Nächsten Tag standen mehrere kleine Wanderungen am Plan. Diesmal ging es tiefer in die Taroko Schlucht, unser erster Stopp war der Baiyang Wasserfall. Nach wenigen Metern auf der Straße und im Tunnel, bogen wir in einen kleineren Tunnel ab der uns auf die andere Seite des Berges brachte, und von dort aus begann der kurze Trail, der ebenfalls atemberaubende Aussichten brachte. Außerdem gab es verschiedenste Schmetterlinge, sowie viele kleine Höhlen und Tunnel. Die Belohnung war dann ein Blick auf wirklich wunderschöne Wasserfälle. Leider war ein Teil des Weges gesperrt, eigentlich kann man in eine Höhle gehen und dort ebenfalls Wasserfälle bestaunen – naja, aber jetzt von Enttäuschung zu sprechen wäre wirklich meckern auf höchstem Niveau.

Danach steuerten wir einen Tempel an, der malerisch in der Schlucht lag und recht leicht zu erreichen war – wir waren nämlich schon wieder hungrig und die gestrige Wanderung lag uns in den Knochen :D
Wer meinen Blog verfolgt, weiß – es gibt überall 7-Elevens. ÜBERALL. Auch in der Taroko-Schlucht. Also genehmigten wir uns dort einen kurzen Zwischenstopp. Nicht nur wir – neben einigen Touristen auch ein Affe. Und der Hausverstand sowie die Zurechtweisung unserer Guides sagen uns: Keinen langen, direkten Augenkontakt und lasse den Affen um Himmels Willen nicht wissen dass du Essen dabei hast. Manche Leute glauben trotzdem mit dem Affen kommunizieren zu müssen. Um zu sehen was dabei rauskommt, müsst ihr euch das Video anschauen, da ich gerade zu dem Zeitpunkt den Affen filmen wollte... die plötzliche Wendung (vom süßen Affen zum Raubtier :D) konnte ich nicht erahnen. Zum Glück wurde niemand verletzt, aber nochmal brauche ich so eine Situation auch nicht.

Nach dem Mittagessen steuerten wir dann einen kleinen Weg an, der niedlicherweise als der „kleine Zhuilu“ gehandelt wird. Wirklich süß, man geht wirklich wie bei der großen Klippe, entlang am Abgrund in wenigen Metern Höhe, unter einem die Autos und das breite Flussbett. Auch hier hat man eine tolle Aussicht und man fühlt sich teilweise wieder wie im Dschungel. Bevors zur letzten Destination ging sind wir noch auf eine weitere Hängebrücke gegangen – ich liebe Hängebrücken! Es wackelt fürchterlich, aber man fühlt sich wie ein echter Abenteurer!

Last but not least ging es zu einem kleinen Turm nahe dem Chan Guang Tempel, die letzten paar hundert Stiegen für dieses Wochenende! Halleluja! Aber die Aussicht war es wieder mal wert, einfach wunderschön! Nachdem wir alle die Glocke geläutet haben und uns was gewünscht haben, ging es zum eigentlichen Tempel zurück wo wir durch Zufall eine der Nonnen kennenlernten, die uns dann etwas zur Geschichte und Bedeutung der 3 Statuen in der Haupthalle erzählte. Leider kann ich das nicht wirklich sinnvoll wiedergeben, da mir dazu das Hintergrundwissen und grundsätzliche Theorie des Buddhismus fehlt, aber es war wahnsinnig spannend zu hören und zu sehen.

Da wir noch ein wenig Zeit hatten, fuhren wir für 20 Minuten zum Meer, einfach ein bisschen den Tag ausklingen lassen, bevor es zum Duschen, Essen und Packen zurück in die Taroko Lodge ging.
Um 21 Uhr kamen wir pünktlich in Taipei an, verabschiedeten uns und dann trat ich meine Reise nach Kaohsiung an – um 3 Uhr früh fiel ich dann schlussendlich todmüde ins Bett :)


Insgesamt also ein wirklich gelungenes Wochenende. Die Gruppe war toll, buntgemischt, im Alter von 26-45, mit Leuten aus Schweden, Vietnam, Deutschland, Taiwan, Indien, Amerika, England, Hong Kong und natürlich mir aus Österreich :) Ich fühlte mich zu jeder Zeit gut aufgehoben und es war genauso wie ich es mir vorgestellt habe – Anspruchsvoll, fordernd, aber ein gut gelunger Balance-Akt zwischen Wanderung und Sightseeing fernab der regulären Touristen-Attraktionen.

Kennwort: "wandern"

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