#16 Indonesien Teil 1 - Ubud

#16 Indonesien Teil 1 - Ubud

Am 4. Mai wachte ich kurz vor meinem Wecker, um 6.57 Uhr, auf. Endlich war er da, der große Tag. Ich verbrachte ihn mit relaxen und einem, wie soll es anders sein, mehr oder weniger frustrierten ersten Packversuch. Mein Rucksack ist klein, vielleicht ein wenig größer als ein normaler Schul/Unirucksack, und das war mir auch wichtig. Ich wollte keinen 50 Liter Sack am Rücken haben, sondern so wenig wie möglich mitnehmen. Gewand für 5 Tage, Taucherbrille & Schnorchel, ein Buch, die kleine Kamera, mein Handyladekabel (ja, selbst die Kameraladekabel habe ich zu Hause gelassen, und stark darauf spekuliert mit 2 vollen Akkus auszukommen), Actioncam, den MP3 Player, Hygieneartikel und Medikamente, ein Handtuch, Flip Flops & ein Paar Turnschuhe, aufblasbares Nackenhörnchen, sowie Ausweise und internationaler Führerschein (ich lache immer noch darüber, dass ich gedacht habe dort wirklich Scooter zu fahren :D). Beim zweiten Versuch klappte das Packen jedoch wunderbar und die Reise konnte losgehen.

Um 19.10 Uhr Abflug am Flughafen in Kaohsiung, 4 Stunden bis nach Singapur, dort ein paar Stunden am Flughafen geschlafen, und um 6 Uhr ging’s nach Denpasar / Bali. Mein erster Stopp war nämlich Ubud, 4 Tage und 3 Nächte Weltfrieden, veganes und rohes Essen, sowie haufenweise „Digital Nomads“, also quasi Dauerreisende und Weltenbummler. Und das sollte man jetzt nicht negativ auffassen, viele der Leute arbeiten ganz regulär, haben oft sogar ihre eigene Firma und haben eben einfach den Luxus, von überall aus arbeiten zu können.

Als wir nach 37km und knapp 2 stündiger Fahrt (ja, ich konnte es auch nicht glauben) in Ubud angekommen waren (also mein Fahrer und ich), ließ die erste Überraschung nicht lange auf sich warten… Als ich zum Bankomaten ging um mein erstes Geld abzuheben, wollte mir Bankomat 1 nur 1,5 Millionen Rupiah geben (auf Nachfrage beim Personal bekam ich nur ein Gelächter à la „Tha, die reiche Ausländerin, will die sich hier gleich ein Haus kaufen oder warum braucht sie so viel Geld?“). Da das umgerechnet nur 100 Euro sind, versuchte ich mein Glück beim nächsten Bankomat, der mir dann immerhin 2,5 Millionen Rupiah anbot. Ich würde behaupten ich kam mir vor als würde ich Millionen mit mir herumtragen (…also, Euro) als ich zurück in die Unterkunft ging um zu bezahlen.
Ich beglich meine Rechnung von knapp 40 Euro für 3 Nächte im Doppelzimmer und bezog mein Zimmer. Da war ich also nun. Alleine in Indonesien, ein wenig unsicher aber wahnsinnig neugierig.

Ich packte meinen Beutel und spazierte los, und als sich der Hunger ebenfalls machte kehrte ich in das erste Café ein, das gerade in der Nähe war und das ich zuvor auf Google Maps mit einem Stern versehen hatte: Sayury Healing Food Café. Vor dem Lokal lagen um die 20 Paar Flip Flops, also tat ich es gleich und zog meine Schuhe aus. Das ist hier in Indonesien ganz normal habe ich dann gemerkt, vor dem Betreten eines privaten Hauses oder Lokals das es erwünscht, zieht man seine Schuhe aus. Nun gut, nach den ersten paar Schritten fühlte ich mich echt fehl am Platz. Ich setzte mich an einen der Tische, die nur geschätzte 30cm hoch sind, und wurde auch gleich freundlich empfangen. Auf die Frage nach dem Wifi-Passwort bekam ich eine Antwort die irgendwie etwas in der Art wie „Love&Peace2017“ oder „Loveyourself2017“ war, auf jeden Fall hat es das Ambiente des Lokals mehr als unterstrichen. Bestellt habe ich mir schlussendlich einen „Raw Wrap“, also einen Wrap aus ausschließlich ungekochten Zutaten. Dass dieser noch dazu vegan war (also keine tierischen Inhaltsstoffe enthielt) überrascht vermutlich nicht. Geschmacklich überraschend gut, und zusammen mit meinem Detox-Smoothie fing ich auch langsam an mich zu aklimatisieren. Die ruhige Hippie-Musik tat ihr übriges.

Knapp 100.000 Rupiah Ärmer (also rund 7 Euro), machte ich mich dann auf den Weg um die Kleinstadt weiter zu erkunden. Beeindruckend fand ich die ganzen kleinen Tempel die auch oft inmitten von Haus/Gartenanlagen angelegt waren. Die Figuren („Wächter“ quasi) haben es mir besonders angetan, ich konnte fast nicht vorbeigehen ohne jede zu fotografieren. Außerdem stolpert man regelrecht über die zahlreichen Opfergaben: das sind kleine Arrangements aus Blumen, Blättern, Obst und anderen Kleinigkeiten, oftmals auch mit Räucherstäbchen. Später erfuhr ich, dass die Menschen diese Opfergaben in jeden Raum des Hauses legen (außer ins WC, weil das ein „dreckiger Ort“ ist), auf den Scooter, ins Auto, auf Ablagen, Hausmauern, Gehsteige, einfach überall hin.

Indonesien ist zwar das größte islamische Land der Welt, 88% der Bevölkerung gehören dieser Religion an, aber das gilt nicht für Bali, hier wird der balinesische Hinduismus praktiziert. Das macht es auch so einzigartig und die Menschen und ihr Praktizieren des Glaubens haben mich wirklich beeindruckt. Es ist bedeutet einerseits viel Arbeit (pro Haushalt werden rund 20 Opfergaben täglich „gebastelt“), andererseits zahlreiche Regeln (Gebete), aber irgendwie ist es für die Menschen keine Pflicht, sondern ein Lebensgefühl.

Indonesischer Reispudding: Schwarzer Reis, heiße Kokosmilch und Banenen, gesüßt mit Kokosblütenzucker 

Indonesischer Reispudding: Schwarzer Reis, heiße Kokosmilch und Banenen, gesüßt mit Kokosblütenzucker 

Als ich dann vom Herumstreifen und der langen Reise wieder müde wurde (okay, auch Hunger kehrte wieder ein, von einem rohen Wrap wird man halt nicht sooo satt), erblickte ich durch Zufall ein Reisfeld im hinteren Teil eines Restaurants. Klingt erstmal komisch, aber da die Lokale hier oft offen sind, kann man quasi bis ans andere Ende durchschauen, und da Ubud eine kleine Stadt ist in der Moderne keinen Einzug gehalten hat, ist es hier traditionell so, dass die Häuser entlang der Straße gebaut werden und im Rücken des Hauses ist entweder Garten, Reisfeld oder Tempel.
Da ich freie Platzwahl genoss, setzte ich mich wieder an einen der niedrigen Tische (die aber auf einem erhöhten Plateau stehen, also man sitzt zwar am Boden, aber ist beim Sitzen gleich hoch wie die Kellner. Das ist extrem gemütlich, weil man quasi immer liegt oder sich anlehnt, es gibt Pölster und dadurch, dass man auch keine Schuhe anhat fühlt man sich wie daheim auf der Couch. Nur mit Blick aufs Reisfeld, einem indonesischen Dessert und kühlem Drink.

Mit frühem zu Bett gehen endete der erste Tag, und je weniger ich drüber nachdachte, was ich tun könnte und was ich unbedingt sehen möchte, desto entspannter wurde ich.
Mit diesen Gedanken startete ich auch in den nächsten Tag. Ich schaute mir die Prospekte an der Rezeption an, entschied mich für einen Kochkurs und einen Schmuck/Handwerks-Workshop.
Dann schlenderte ich weiter durch die Straßen, entdeckte eine alte Dame die Notizbücher verkaufte und blätterte durch die verschiedenen Exemplare. Handgepresstes Papier, liebevoll verzierter Umschlag, ja, so eines hole ich mir später.

Zuerst spazierte ich aber noch durch den Markt (der ab 10 Uhr vom Bauernmarkt zum Touristenmarkt wird), und sah mir diese typischen Hippie-Hosen an, welche eine grauenhafte Figur machten und auch sonst nicht so tragbar scheinen. Später entdeckte ich ein paar Armbänder, und da ich ja in Taiwan angefangen habe, mir Armbänder von verschiedenen Orten zu kaufen, wollte ich natürlich auch hier eines mitnehmen… gesagt, getan.


Nach einem kurzen Blick auf die Karte sah ich, dass ich in der Nähe des Monkey Forests war, einem Reservat für die balinesischen Langschwanzmakaken. Zuerst dachte ich mir „ach, Affen halt… Touristenattraktion…“ aber dann entschied ich mich doch dafür, weil ich im Prospekt gelesen habe, dass hier auch wirklich Forschung betrieben wird und Tiere aufgepäppelt werden. Und ich war schlussendlich wirklich 3 Stunden im Areal, das wirklich schön war. Es gab Tempel, eine schöne Brücke die aussah wie aus dem Dschungelbuch, eine Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst von regionalen, jungen Künstlern, sowie natürlich Unmengen an Affen. Da ich eigentlich ein wenig Respekt vor Affen habe (aber mit den Grundsätzen des Verhaltens vertraut war), wunderte ich mich zwar sehr über manch fahrlässige Besucher, aber durch die Anwesenheit der vielen Wärter musste man (zumindest mit entsprechendem Verhalten) keine Angst haben. Es war sehr faszinierend diese Tiere von einer solchen Nähe aus zu beobachten, außerdem gab es viele Jungtiere und die waren natürlich besonders niedlich. Besonders berührt hat mich jedoch Nelson der einen Käfig in einem ruhigeren Teil des Areals hatte. Er war blind, alle Unternehmungen dem Tier das Augenlicht wieder zu schenken waren erfolglos, und da er keine Überlebenschance im freien hätte, bauten die Wärter ihm einen großen Käfig in dem er sicher weiterleben konnte. Während ich den Affen von der Ferne beobachtete konnte ich auch sehen dass seine Artgenossen ihn quasi „besuchen“ – das war so rührend! :D
Ich war wirklich froh dort gewesen zu sein, wenn man die ganzen Touristen ausblendet die versuchen ein Foto von sich selbst mit Affen auf der Schulter zu bekommen, ist es ein schöner Ort an dem man den Alltag dieser Affen wunderbar miterleben kann.

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Am Rückweg organisierte ich mir noch ein Buch von der Lady, kaufte mir im Supermarkt einen Bleistift und probierte ein weiteres Café aus. Diesmal bestellte ich eine Kokosnuss. Ich wusste, dass mir Kokosnusswasser nicht schmeckte, als ich es zu Hause und in Taiwan probiert hatte, aber einen letzten Versuch wollte ich noch wagen – wenn mir die frische Kokosnuss nicht schmeckt, dann war es das, keine weiteren Versuche mehr. Und siehe da: es schmeckte. Dazu erlaubte ich mir 3 „Raw Truffles“ also rohe Schokolade-Kugeln, die aus Datteln, Nüssen, Kakao und weiteren schmackhaften Zutaten bestanden. Schön langsam verliebte ich mich in Ubud. Oder, sagen wir, das Essen in Ubud.
Da ich beschlossen hatte mir hier das „Nichtstun“ wieder ein wenig zu lernen (ha, meine Eltern werden jetzt lachen, „Macht eh die ganze Zeit nur Urlaub!“ :D), fing ich in Ubud an ein wenig an zu zeichnen. In jedem Lokal zeichnete ich einfach meine Sicht, beschäftigte mich mehr mit Linien, Perspektive und Licht/Schatten, und wie man das ganze aufs Papier bringt.
Und es machte Spaß, wurde quasi zur „Offline-Therapie“ – denn das ständige Online-Sein und teilweise sinnlose Rumdrücken am Handy war mir schon so auf den Nerv gegangen. Zum Lesen hat es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gereicht (zu unentspannt), ich musste irgendwas Kreatives machen. Die Zeichnungen waren nicht gut, aber das war mir egal – ich war unterhalten und entspannt, Ziel erreicht :)

Am nächsten Tag stand der Schmuckworkshop an! Am Vormittag noch schnell die Hippie-Hosen gekauft (half alles nichts, Ubud hatte mich erwischt.) und dann wurde ich mit dem Scooter abgeholt und inmitten von Reisfeldern stand das Haus (oder die Galerie, besser gesagt), in dem ich nun meine eigenen Silberohrringe herstellen würde. Bevor es losging bekam ich gebackene Bananen gereicht, ein kaltes Wasser und ich beobachtete die Gruppe von Wildenten, die durchs Reisfeld streifte und sich lautstark bemerkbar machte.
Zuerst stand Zeichnen am Programm, und als ich meinen Blick schweifen ließ und die Palmen am Rande des Reisfeldes entdeckte, stand mein Motiv fest. Dann das Ganze aufs Metall gebracht, ausgeschnitten und nach einer guten Stunde Bastelei waren die Schmuckstücke fertig! An mir ist wohl wirklich ein Kunstschmied verloren gegangen… *g*


Dass ich danach noch wunderbar Essen war muss ich vermutlich nicht erwähnen, aber ich tu’s trotzdem: Ich hatte eine superleckere Hummus-Variation und geniale Smoothies, deren Rezepte ich im Nachhinein gesehen wirklich gerne hätte… mal schauen, vielleicht werde in der großen weiten Welt des Internets fündig.

Und nun war auch schon der letzte volle Tag angebrochen: Kochkurs! Zuerst ging es auf den Markt (Ihr erinnert euch, vor 10 Uhr ist es Markt für die Einheimischen), dort wurden wir mit den vielen Gewürzen und Gemüsesorten, Wurzeln und Früchten vertraut gemacht und außerdem konnten wir uns im Schutz der Gruppe wirklich gut umschauen, ohne gleich von 5 Verkäufern umringt zu werden.

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Danach brachte man uns im Van zu einer wunderbaren Gegend ebenfalls inmitten von Reisfeldern, wo 2 große Küchen im Freien angelegt waren. Sagenhafte 9 Rezepte erhielten wir… und das sollen wir in nur 3 Stunden wirklich kochen und essen? Ein kleiner Auszug: Hühnerspieße in Erdnusssoße, eine Suppe, Huhn in Kokos-Ingwersoße, Thunfisch gegrillt im Bananenblatt, ein Dessert. Natürlich war jeder der anderen Teilnehmer „im Team“ am Workshop eingeschrieben, 2 Freundinnen hier, 1 Vater-Tochter-Gespann da, ein Pärchen dort. Macht nichts, ich habe trotzdem alles geschafft (Zeitlich wurds echt knapp, aber es ging) und bekam auch Unterstützung von einem der vielen Hilfsköche.

Alles war erstaunlich gut organisiert, während der Koch uns die Zutaten vorstellte, sie uns kosten oder riechen ließ, bereiteten die Helfer unsere Kochplätze vor, reinigten die Arbeitsplatte und stellten die benötigten Zutaten in der richtigen Menge bereit. So konnten wir uns aufs Kochen konzentrieren und der Ablauf war super! Am Schluss stand ich dann vor vollendeten Tatsachen: einer Suppe, 4 Hauptgerichten, einer Dip-Soße und einem Dessert. Und auch hier, die anderen mussten teilen, ich… ja, mir war danach schlecht :D Alles habe ich natürlich nicht geschafft, aber jede Speise war ein Gedicht und ich bin froh, dass wir die Rezepte bekommen haben und auch Tipps für Alternativzutaten, da man Bananenblätter daheim ja eher schwer bekommt :)

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Für den Nachmittag habe ich mir eine Massage gebucht, aufgrund der vielen positiven Bewertungen, wie soll es anders sein, in einem kleinen Spa inmitten von Reisfeldern :P 45 Minuten Fußmassage, danach ein Peeling namens „Lulur“ – dieser Duft (Sandelholz, Ingwer, Zitronengras…)! Das war einfach herrlich, und danach ging es wie auf Wolken zum letzten Restaurant-Besuch, nämlich ins „The Elephant“. Das sollte nämlich eine schöne Aussicht haben (ihr erratet bestimmt worauf…) und das Essen hatte ebenfalls einen guten Ruf. Das kann ich nun auch bestätigen :) Hier habe ich übrigens meine erste rohe Torte gegessen… ein „raw cheesecake“. Hatte zwar geschmacklich nicht viel mit Topfentorte zu tun, aber war trotzdem lecker. :D Und so habe ich meinen letzten Abend in Ubud mit Zeichnen, einer Kokosnuss, den Blick auf den Sonnenuntergang und einem richtig klaren und freien Kopf verbracht – Mission erfolgreich!

Zusammenfassend würde ich Ubud als relaxte Kleinstadt mit viel Tradition beschreiben. Natürlich ist es sehr an den Yoga-Tourismus und den ganzen „Essenstrends“ angepasst, aber irgendwie passt es so wunderbar ins Gesamtbild, dass man das gar nicht als störend empfindet. Ich habe jedenfalls viele tolle Gerichte probiert und unzählige Ideen für Speisen mitgenommen, die ich zu Hause in die Tat umsetzen möchte.
Außerdem habe ich sämtliche Attraktionen ausgelassen (Reisterrassen, Tempel, Statuen…) und mich ganz darauf konzentriert, ein paar Gänge zurückzuschalten und mehr „in den Tag hineinzuleben“ und den Geist der Stadt zu erleben :)

Am nächsten Morgen ging es wieder zum Flughafen nach Denpasar, und von dort nach Flores, Labuan Bajo. Das war der Augangspunkt für eine 4 tägige Bootstour, auf der ich nicht nur Komodowarane, Mantarochen und Delfine gesehen habe, sondern auch den schönsten Mondaufgang meines Lebens ♥ Bald gibt’s „Indonesien – Teil 2“ gefüllt mit den Erlebnissen von Komodo Island und dem Leben am hölzernen Fischerboot.

#17 Indonesien Teil 2 - Bootstour

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#15 台北

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