#17 Indonesien Teil 2 - Bootstour

#17 Indonesien Teil 2 - Bootstour

Wenn die Flugbegleiterin diesen Ehrenplatz über hat, ist das Flugzeug wirklich klein. :)

Wenn die Flugbegleiterin diesen Ehrenplatz über hat, ist das Flugzeug wirklich klein. :)

Am Flughafen machte ich dann erstmals eine negative Erfahrung – abgesehen davon, dass mein Flug Verspätung hatte, war der Informationsfluss über selbige eine echte Katastrophe. Ich ging zum Gate, checkte nochmal ob der Flug angeschrieben war, und setzte mich auf einen der vielen freien Warteplätze. Von dort aus war leider der Monitor nicht einsehbar, also ging ich im 15 Minuten-Takt nachschauen, ob alles beim alten war. Um 12.50 sollte eigentlich das Boarding beginnen, nachdem aber nichts davon bemerkbar war fragte ich nach – Der Flug hatte also Verspätung, vermutlich eine Stunde, hieß es. Nachdem die Lautsprecherdurchsagen einfach absolut unverständlich waren und auf den Bildschirmen nichts angezeigt wurde, war nun die Crew am Boardingschalter meine einzige Informationsquelle. Um 14.10 schließlich die Anzeige „to waiting room“ bei meinem Flug. Auf erneutes Nachfragen „Yes, boarding starts soon!“ – nur aber leider an einem anderen Gate, wie ich nur durch erneutes Nachfragen bei einem anderen Schalter erfragen konnte (mir kam es seltsam vor dass das Logo meiner Airline nirgendwo mehr auftauchte). Also schnell zum anderen Gate (statt dem „waiting room“ könnte man ja auch einfach das Gate anschreiben…), und dort nochmal 30 Minuten in der Schlange stehen… dann konnte es endlich, mit über 2 Stunden Verspätung, losgehen.

In Labuan Bajo angekommen, wurde ich vom Shuttleservice abgeholt und zur Unterkunft gebracht, die wirklich ein Traum war! Ein Hostel direkt am Hügel mit Aussicht auf die Bucht, Hafen und die Inseln. Beim kurzen Ausflug in die Stadt (musste mein Bootsticket holen und die Restsumme bezahlen) lernte ich Alex kennen, auch aus Österreich und seit ein paar Monaten auf großer Tour durch Südostasien. Leider startete er erst Sonntags in die Bootstour, und für mich sollte es schon am Mittwoch (also am nächsten Tag) losgehen. Aber zumindest ein Abendessen im Hostel und ein gemütliches Bier gingen sich aus, bevor es hieß: Schlaf tanken, morgen geht’s aufs Boot!

Sonnenaufgang in Labuan Bajo

Sonnenaufgang in Labuan Bajo

Nach einer ruhigen Nacht und einem traumhaften Sonnenaufgang sollte das Abenteuer um 8 Uhr früh losgehen. Treffpunkt beim Büro, kurzer Spaziergang zum Boot, und nach wenigen Minuten ratterte der Motor des Bootes und wir verließen den Hafen.
Unseren Tourguide lernte ich schon am Tag davor kennen und selbiger machte einen aufgeweckten und lustigen Eindruck, das Wetter war ebenfalls makellos, 12 Leute am Boot waren auch eine akzeptable Anzahl und das Boot war ebenfalls toll. Einfach, aber toll.

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Es gab 2 Toiletten (natürlich ohne Spülung, man schüttete einfach mit einem Topf ein wenig Wasser nach), im oberen Bereich waren die Schlafplätze, vorne waren Bänke und eine angemessene freie Fäche auf der wir verköstigt wurden, und dann gab es noch einen Platz an der Sonne an dem sich regelmäßig die Brathühner drehten. Es war vielleicht ein wenig naiv, nach einer Dusch-Möglichkeit zu fragen, aber ich wollte sichergehen. Also, mit Duschen würde das wohl nichts werden die kommenden Tage. Fließendes Wasser war generell nicht vorhanden, Seife oder Shampoo demnach ebenfalls überflüssig. Nun gut, Zähneputzen ging immerhin mit Wasser aus der Flasche. Ich war noch nie so froh dass ich mein Desinfektionsmittel dabei hatte um zumindest vor dem Essen ein halbwegs bakterienfreies Gefühl zu haben :D

Die Truppe war buntgemischt aber ausschließlich Pärchen/Freunde aus Argentinien, Chile, den Niederlanden, Frankreich bzw. Kanada und Tschechien.
Die Crew bestand aus 5 Leuten, unter ihnen auch ein Koch, der seinen Job wirklich mehr als gut gemacht hat – mit so einem Essen hätte ich definitiv nicht gerechnet. Es gab Bananenpancakes zum Frühstück und ganz viel Gemüse, Tofu, Huhn und frische Früchte zu Mittag und Abends. Zugegebenermaßen konnte ich das Abendessen nur am ersten Tag genießen, die anderen beiden Tage war ich damit beschäftigt die Begleiterscheinungen meiner Seekrankheit unter Kontrolle zu bringen :D

Unser erster Stopp war Rinca Island, danach Komodo Island. Auf beiden Inseln leben Komodowarane und die wollten wir natürlich sehen. Unsere Ranger waren auf beiden Inseln sehr freundlich, sie wussten natürlich viel über die Warane und beantworteten alle Fragen die beim Spazieren und Beobachten so aufkamen. Diese Warane werden ca. 3 Meter lang, können bis zu 20km/h schnell laufen, sind Kannibalen und fressen ihre eigenen Artgenossen wenn es sein muss, und jagen sonst alles von Wildschweinen, wilden Hühnern, bis hin zu Wildpferden, aber bevorzugt Wild. Der Biss der Warane injiziert Bakterien in den Organismus der Beute und diese verendet langsam. Die Warane bleiben bei der Jagd versteckt und greifen überraschend an (sie können sich nämlich auch aufrichten und quasi auf die Beute zuspringen), dann wird 1-2 Wochen gewartet bis die Beute tot ist, oder dem Ganzen mit einem Genickbiss sofort ein Ende gesetzt. Was mich sehr überrascht hat – Babywarane (bis zu 1 Jahr) leben auf Bäumen und ernähren sich von Insekten, Vögeln und anderen kleinen Tieren… ich kann mir so einen Waran beim besten Willen nicht beim Klettern vorstellen (wobei die kleinen doch viel agiler sind als die ausgewachsenen).

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Die Ranger sind immer mit einem Stock bewaffnet, der vorne Y-förmig ist, damit sie die Tiere am Hals aufheben können und zurückhalten können, wenn es zu einer brenzligen Situation kommt.

Die Ranger sind immer mit einem Stock bewaffnet, der vorne Y-förmig ist, damit sie die Tiere am Hals aufheben können und zurückhalten können, wenn es zu einer brenzligen Situation kommt.

Rehe am Strand, dass passt in meinem Kopf noch immer nicht zusammen :D

Rehe am Strand, dass passt in meinem Kopf noch immer nicht zusammen :D

Nach dem vielen Herumwandern in den Wäldern der Inseln, wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt. Wir blieben über Nacht in einer ruhigen Bucht und konnten uns so langsam an das Schlafen am Boot gewöhnen.

Zu so einem Sonnenaufgang wacht man doch gerne auf, oder? 

Zu so einem Sonnenaufgang wacht man doch gerne auf, oder? 

Am nächsten Tag stand ein Besuch beim (nicht ganz so pinken) Pink Beach am Plan, dort konnten wir eine gute Stunde schnorcheln und das Baden im klaren Wasser genießen. Weißer Sandstrand mit ein paar pinken Steinchen, Palmen, klares Wasser und eine tolle Unterwasserwelt – dabei schnorcheln - das ist ein Workout dass ich mir morgens einreden lasse :D
Ein weiteres Highlight an diesem Tag war der Manta Point. Ich hoffte zwar, dass wir Mantarochen sehen werden, aber ich stellte mich nicht darauf ein, da das mit recht viel Glück zu tun hat und sich nicht beeinflussen lässt. Unser Guide war noch dazu eher unsicher, weil er schon ein paar Wochen keine mehr zu Gesicht bekommen hatte. Aber da waren sie… die großen Mantarochen. Schnell die Taucherbrille aufgesetzt, Actioncam umklammert und die paar Meter vom Boot ins Wasser gesprungen. Wow, diese Tiere waren nicht nur groß, sondern auch furchtbar elegant und schienen förmlich durchs Wasser zu fliegen! Als ich kurz auftauchte um die Brille vom Beschlag zu befreien, wurde es unter mir plötzlich tiefschwarz und als ich wieder untertauchte, schwommen ein paar Mantas unter mir vorbei und da wurde mir die Größe erst so richtig bewusst! Locker 5 Meter Durchmesser hatte so ein Mantarochen… und es waren viele! Das Spektakel war nach wenigen Minuten vorbei, also hatten wir wirklich Glück diese Tiere erwischt zu haben. Außerdem habe ich dort eine Schildkröte und sogar Delfine erspäht! Letzteren leider nur vom Boot aus, aber das war jedenfalls das erste Mal dass ich Delfine in freier Wildbahn gesehen habe :)

Zurück an Board fing bei mir die Übelkeit aber leider wirklich an. Ich wusste, dass ich damit zu kämpfen haben werde, und außerdem wusste ich, dass ich durch das Schnorcheln (das starke Atmen wegen der Anstrengung gegen die Strömung zu Schwimmen, dann auch noch durch den Mund…) immer ein wenig gerädert bin. Naja, ich erspare euch die Details, aber nachdem alles erledigt war und ich mich hinlegen konnte, war alles wieder gut.
Ein letzter Stopp an diesem Tag brachte uns auf eine Insel die ebenfalls noch im Komodo Nationalpark lag. Wir sind dort auf einen Hügel raufgewandert und haben die Aussicht genossen! Das Hoch- und Runtergehen selbst war aber der blanke Horror, wir sind alle einige Male ausgerutscht und dann noch die Uhrzeit… es war Mittagszeit und im Schatten hatte es 32 Grad. Mehr muss ich dazu glaube ich nicht mehr sagen – aber die Aussicht war es definitiv wert!

Keine Ahnung warum es hier so dreckig war, alle anderen Strände und Buchten waren wunderbar sauber...

Keine Ahnung warum es hier so dreckig war, alle anderen Strände und Buchten waren wunderbar sauber...


Nach einer kurzen Abkühlung danach (wobei Abkühlung vielleicht nicht das richtige Wort ist, bei knappen 29 Grad Wassertemperatur) dann die Hiobsbotschaft: 18 Stunden Fahrt am offenen Meer.
Ich wusste, das wird nicht angenehm…. und ich sollte Recht behalten. Solange man in der Nähe von Inseln ist, war der Wellengang wirklich noch im vertretbaren Bereich… aber am offenen Meer war es mit der Gemütlichkeit endgültig vorbei. Das Boot schaukelte stundenlang und meterhoch hin und her, selbst 3 Tabletten die mir bei Übelkeit während dem Bus/Autofahren halfen, konnten da nichts mehr retten. Und so verpasste ich den Sonnenuntergang und das Abendessen, und schlief satte 12 Stunden – um 5.30 wurde ich nämlich von der Sonne wachgeküsst. :)

Tag 3 und somit der letzte Tag am Boot… es stand ein Besuch bei einem Salzwassersee an, der laut Angaben der anderen wahnsinnig warm war. Für mich sah es aus wie zu Hause, deshalb verbrachte ich eine gemütliche Stunde am Strand und genoss, dass sich der Boden nicht bewegte :D

Auf den letzten Stopp freute ich mich schon besonders: Ein Wasserfall. Ich liebe Wasserfälle einfach, egal ob in den Bergen zu Hause in Österreich oder im indonesischen Dschungel.
Dieser Ort war einfach traumhaft! Das Wasser um die 10 Meter tief, aber so klar dass man bis auf den Grund sehen konnte. Wir schwommen zum Strand, schlüpften in unsere Flipflops und folgten unserem Guide durch den Wald. Wir durchquerten den Fluss einige Male bis wir nach ca. 20 Minuten endlich da waren. Und es war der Wahnsinn! Der Wasserfall war riesig, außerdem gab es natürlich-geformte Steinpools und hätte ich meine große Kamera mitgehabt, wäre ich mit Sicherheit stundenlang beschäftigt gewesen. Gott sei Dank hatte eine Mitreisende ein wasserfestes Handy und war so nett, ein Foto von mir in einem der Pools zu machen :) Ich hatte nur meine Actioncam dabei, also sind die Fotos eher von emotionalen als qualitativem Wert :D
Nachdem wir alle die Süßwasserabkühlung genossen hatten ging es zurück zum Meer. Wir schnorchelten noch ein wenig, entdeckten auch eine Muräne, und dann ging es zurück aufs Boot.

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Das war der ideale Zeitpunkt ein Bier aufzumachen, die Sonnenbrille aufzusetzen, mich aufs Sonnendeck zu begeben, den iPod einzuschalten und die Momente der letzten Tage nochmal vor das geistige Auge zu holen. Ich muss sagen, ich habe mich besser geschlagen als ich vermutet hatte. Die Bootstour diente mir, neben all den schönen Erfahrungen, auch dazu mich besser kennenzulernen und in eine Situation zu bringen, in der ich noch nie vorher war. Man kann hier nicht einfach weggehen, wenn es einem zu viel wird. Man kann nicht aussteigen, wenn einem schlecht wird. Wenn es keine Dusche gibt, stinkt man eben nach 3 Tagen, und die Haare sind eben verfilzt von all dem Salz. Man hat keine Ablenkung durch das Internet, man darf das alles (ganz egoistisch ;D) nur für sich erleben und lädt absolut niemanden ein, daran teilzuhaben. Das Schöne daran ist, dass man merkt, dass die Unsicherheit bezüglich dieser Situationen größer ist als das tatsächliche Unbehagen, sobald man sich in diesen Momenten befindet. Eigentlich war es mir egal, dass meine Haare verklebt waren, genauso wie es mir egal war dass ständig Ameisen über mich krabbelten und dass ich andauernd nasse Füße hatte, weil das Boot ja rundherum offen war. Am allermeisten war ich jedoch froh, kein Internet zu haben. Gerne hätte ich zwar meinen Freunden kurz gesagt wie toll es ist, oder meiner Familie dass es mir gut geht. Aber so konnte ich das alles genießen ohne zwischendurch facebook oder instagram zu aktualisieren um zu sehen was andere gerade machen – herrlich. Muss ich wieder öfter machen, so eine Internet-freie Zeit :D Außerdem habe ich auf dem Boot auch viel gezeichnet, das war irgendwie eine super Angewohnheit :)

Als wir dann die Ufernähe verlassen hatten ging der wahnsinnige Wellengang und damit das Geschaukel wieder los. Pünktlich eine knappe Stunde nach Beginn, hing ich natürlich wieder über der Reling, wie sollte es auch anders sein. Danach wieder hinlegen, schlafen. Zwar nicht besonders spannend, aber mehr war einfach nicht mehr möglich. Diese Nacht würden wir bis Mitternacht fahren, bevor wir dann am Hafen in Lombok anlegen würden. Nachdem um 4.15 Uhr die ersten Minarett-Gesänge losgingen und wir von allen Seiten beschallt wurden, war die Nacht auch so gut wie zu Ende, denn um 5.30 ging die Sonne auf und bis dahin würden die Gesänge auch nicht weniger werden. Und wer jetzt denkt dass ich einfach nur einen leichten Schlaf habe…. Nein. Wir waren alle, durch die Bank, wach – trotz Ohrstöpsel.

Um 7 Uhr verließen wir das Boot und stiegen in den Bus um der uns auf die gegenüberliegende Seite der Insel brachte, von dort aus dann die letzte Etappe meiner Reise beginnen sollte.

Die Busfahrt war aber auch ein Erlebnis! Deswegen erkunde ich Länder gerne aus dem Auto oder Bus heraus, man sieht so viel vom täglichen Leben und den Gewohnheiten der Leute, und außerdem war es spannend mal mitten im Geschehen zu stecken – der Verkehr in Indonesien ist nämlich mehr als chaotisch. Die Hupe wird generell einfach als weiteres Instrument gesehen auf sich aufmerksam zu machen. Es wird gehupt wenn man überholt, wenn man jemanden warnen will dass man jetzt fährt, vor Kurven, als Instrument zum Abreagieren wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer nicht so agiert wie man es gerne hätte, und natürlich um Leute wachzurütteln wenn sie bei rot nicht fahren, obwohl es der Verkehr zulässt. Außerdem überholt man hier und da mal Pferdewägen, oder Leute die ihre Ziege zum Spazierengehen ausführen. Wie gesagt, ein Erlebnis! Unser Guide stoppte den Fahrer dann einmal um traditionelle Snacks zu kaufen, und so konnten wir frittierten Tofu und frittierten Kohl probieren, und ich muss sagen, dass war wirklich gut, so gut, dass ich mir schon ein Rezept rausgesucht habe mit dem ich das zu Hause nachkochen werde.. :D Zum Schluss führte die Busfahrt noch über einen Berg auf dem wir an zahlreichen Affen vorbeifuhren… und dann kamen wir heil beim Hafen an.. next stop: Gili Air.

Wie es mir auf der Insel Gili Air, dem Paradies mit den weißen Sandstränden und tiefblauen Meer, erging, werde ich beim nächsten Eintrag erzählen! Eines Vorweg: Mein Paradies war es nicht… :D

Kennwort: boot

#18 Indonesien Teil 3 - Gili Air

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