#21 回顾

#21 回顾

回顾 - huígù - der Rückblick

Heute sind es genau 3 Wochen bis ich wieder österreichischen Boden unter den Füßen habe… Zeit, um mal einen ersten Rückblick zu schreiben. Ich dachte mir, ich erzähle euch mal was ich in Österreich definitiv vermissen werde, und welchen Dingen ich keine Träne nachweinen werde.

Aber fangen wir mit den positiven Dingen an:

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Die Tee-Shops

50 Lan, Presotea, Chatime, CoCo oder die ganzen anderen Tee-Shops werden mir richtig abgehen. An einem heißen Tag hält man einfach an einem der zahlreichen Bars und holt sich seine (meist) gesunde Erfrischung, hängt sie an den Scooterhaken und genießt die unterschiedlichsten Variationen an Tee. Wie ich mir einen Bubble-Tea bestelle war eines der erste Dinge die ich auf Chinesisch fließend von mir geben konnte. Ob Milchtee, Bubble/Pearl-Tee, Tee mit Früchten oder Tee mit Yakult/Joghurt, hier ist wirklich für jeden etwas dabei. Dann sucht man sich noch den Grad der Süße aus (0%, 20%, 50%, 70%, 100%) sowie den Anteil an Eis aus (ebenfalls 0%-100%) und da ich meinen Tee mit 0 Zucker und 20 Eis bevorzuge, schlug es auch kalorientechnisch nicht allzu sehr zu Buche :D Die Tees werden alle komplett dicht verschweißt, mit dem Strohhalm sticht man dann das Loch hinein und kann zu trinken beginnen – extrem praktisch wenn man den Tee nicht sofort konsumieren will, er hält so nämlich sehr lange kühl und man muss nicht aufpassen ihn zu verschütten.

 

Die Nachtmärkte

Es macht schon Spaß abends durch die Märkte zu spazieren und diverse Kleinigkeiten zu probieren, die noch dazu recht günstig sind. Wer zu Hause auf Streetfood-Märkte steht und sich selbigen am Abend/bei Nacht, bei 30° Außentemperatur und mit dem 10-fachen an Leuten vorstellt, bekommt eine ziemlich genaue Vorstellung davon wie das hier so ist. Nur dass es hier keine Burger, Pulled Pork und Wraps gibt, sondern lokale Snacks wie kleine Teigbällchen mit Oktopus, gegrillte oder gebackene Kalmare (bzw die günstige Form von Calamari), Mochis, gebratene Ente, Reisboxen, Hotpots oder gebackene Pilze gibt. Ich liebe diese Märkte und werde sie definitiv vermissen. Zwischen dem Essen kann man nämlich meist noch Gewand shoppen oder den Taiwanesen beim Zocken zuschauen… Langweilig wird’s jedenfalls nicht. Und die Menschenmassen sind irgendwann auch ganz normal, man gewöhnt sich an alles.

 

Die Sprache

Ja, zugegebenermaßen macht das Chinesisch-lernen wirklich Spaß weil man recht schnell einen Fortschritt merkt. Gerade jetzt gegen Ende habe ich mich schon so an Smalltalk-Floskeln und kurze Unterhaltungen an der Supermarktkasse auf Chinesisch gewöhnt, dass es mir vermutlich schwer fallen wird, daheim überhaupt kein Chinesisch im täglichen Leben zu hören. Ich möchte auf jeden Fall dran bleiben und weiter lernen – und auf jeden Fall Langzeichen (also das, was man hier in Taiwan findet). Meine ersten 1,5 Jahre Chinesisch-Unterricht zielten auf die vereinfachten Schriftzeichen und Festland-China Vokabel ab, jedoch gefallen mir die Langzeichen einfach viel besser und in Festland-China würde mich ohnehin jeder auch mit hier üblichen Ausdrücken verstehen. Das Buch, das wir im Unterricht verwendet haben ist richtig gut aufgebaut und somit sollte das Lernen zu Hause nicht allzu schwierig werden – ich muss nur dranbleiben.

 

Die Hilfsbereitschaft der Menschen

Wer meinen letzten Eintrag gelesen hat, wird mir zustimmen: Taiwanesen sind einfach wahnsinnig hilfsbereit und freundlich. Ich habe geheult weil ich mein Glück nicht fassen konnte – und das heißt was, ich bin normal nicht so nahe am Wasser gebaut… aber diese Herzlichkeit hat mich einfach überwältigt. Ich habe darüber nachgedacht: Wenn in Österreich jemand weder Deutsch noch Englisch spricht, aber Hilfe benötigt, sind wir (die Österreicher, verzeiht mir das „alle in einen Topf werfen“ an dieser Stelle) meistens eher weniger gewillt, diese Sprachbarriere zu überwinden und uneingeschränkte Hilfe anzubieten. Außerdem würden wir nur eher selten fremde Leute wie einen Freund behandeln, oder unsere Pläne ändern um jemanden spontan zu helfen. Genau das passiert jedoch hier in Taiwan, und meist muss man nicht mal um Hilfe bitten – ein verzweifelter/hilfesuchender Gesichtsausdruck reicht oft aus, um angesprochen zu werden. Und die Menschen erwarten sich hier keine Gegenleistung (abgesehen von Dankbarkeit, einem Lächeln, einer Wertschätzung) – selbst wenn ihnen zum Dank materielle Gegenleistung überreichen will, wird meistens mehrmals abgelehnt…

 

Die Vielfältigkeit des Landes


Ich will in die Berge, wandern und bei Wasserfällen entspannen? Okay, eine Stunde mit dem Scooter Richtung Nord-Osten und ich bin dort. Ich will zum Strand, schwimmen und mit Schildkröten schwimmen? Eine Stunde Richtung Süden. Ich will Großstadtflair mit allem was dazu gehört? In 25 Minuten bin ich dort und kann mir aussuchen, ob ich in eine Skybar, eine riesige Shoppingmall oder doch lieber auf einen der vielen Märkte will. Egal aber wo man hinfährt, die Tempelanlagen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Land. Tradition und Moderne gehen hier Hand in Hand und es wirkt überhaupt nicht aufgesetzt oder unnatürlich. Taiwan ist sehr fortschrittlich (Bzgl. Homo-Ehe sind sie Österreich voraus, die ältere Generation nutzt ganz selbstverständlich Smartphones) aber an Dingen wie Umweltschutz muss noch gearbeitet werden – aber bei so einem Wachstum in kurzer Zeit ist es ganz natürlich, dass gewisse Dinge auf der Strecke bleiben.

 

 

Wäsche waschen

Ja, also Wäsche waschen an sich stört mich nicht, aber irgendwie ist halt maximal 40° auf Dauer auch nicht das Gelbe vom Ei. So viel Waschmittel kann ich garnicht verwenden, dass ich das Gefühl habe dass meine Kleidung wirklich sauber ist. Man muss, wenn man mal einen Essensfleck aufs Shirt gepatzt hat, zusätzlich mit diversen Fleckenstiften nachhelfen, damit sich überhaupt etwas bessert durchs Waschen. Demnach werden auch Handtücher, Unterwäsche und Socken auch nur so halbwegs sauber… und ich sehne mich schon sehr nach einer 60° Wäsche für mein ganzes Gewand. Trocknen will das ganze dann natürlich auch nicht so rasch, da es immer sehr schwül ist. Ich wollte an dieser Stelle gerade die Luftfeuchtigkeit von Österreich und Taiwan vergleichen, aber die ist in Taiwan (laut Statistik) nur geringfügig höher. Trotzdem ist es in Taiwan einfach um so viel anstrengender wenn es heiß ist, also um einiges schwüler als zu Hause, und die Wäsche braucht, sofern es keinen Wind gibt, ewig zum Trocknen und wird leicht muffelig – und das nervt :D


Straßenhunde

Also, es gibt ja solche und solche… Gerade vorgestern hatte ich wieder ein negatives Erlebnis. Ich bin auf einer recht ruhigen Straße gefahren, 50 Meter vor mir sehe ich einen Hund (kniehoch, kräftiger Körperbau) aufspringen, langsam in meine Richtung loslaufen. Als ich näher komme sehe ich dass er ziemlich aggressiv war und plötzlich zu laufen anfing, im Begriff auf mich zu springen und mich zu beißen. Ich habe natürlich auf die Tube gedrückt und meinen Fuß schon trittbereit in Richtung des Hundes positioniert – lieber er leidet Schmerzen, als ich, so einfach handhabe ich das wenn sich diese Köter so aufführen. Ein Tritt war schlussendlich nicht notwendig weil ich schnell genug vorbeifahren konnte, aber ein Schockmoment war es trotzdem – und das war nicht das erste Erlebnis dieser Art. Natürlich gibt es aber auch die andere Sorte Streuner, die einfach nur ruhig ihr Dasein fristen. Entzückende Exemplare dieser Gattung habe ich zB in Kenting gesehen – die waren so schwach und ängstlich, aber trotzdem ruhig und lieb, dass ich ihnen im nahegelegenen 7-11 Futter gekauft habe und ihnen Trinkwasser gab, und das dankten Sie mir mit Schwanzwedeln und dankbaren Blicken.
 

Ampelphasen

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Hachja, was gibt es Schöneres, als bei 40 Grad in der Sonne 90 Sekunden auf grünes Ampellicht zu warten? Einiges, oder? Leider sind die Ampeln hier teilweise so schrecklich geschalten, dass man oft lange wartet, um wenige Meter zu fahren und dann bei der nächsten Ampel zu stehen. Praktisch ist jedoch, dass bei großen Kreuzungen die verbleibenden Sekunden der Rotphase angezeigt werden, somit kann man zumindest kurz aufs Handy schauen oder etwas Trinken ohne Angst haben zu müssen, dass man gleich den ganzen Verkehr aufhält.

 

Das Wetter

Das liebe Wetter und die dazugehörigen Vorhersagen sind in Taiwan einfach extrem unbeständig… 100% Regenwahrscheinlichkeit heißt doch auch normalerweise, dass es sicher regnet – nicht in Taiwan. Hier wird immer groß Theater gemacht und das schlimmste Wetter vorhergesagt, das dann erst nicht eintrifft. Umgekehrt übrigens auch: Sonnenschein, 35°? Man sollte lieber den Regenschutz einpacken. In den knapp 5 Monaten hier habe ich keine Wettervorhersage gefunden, die halbwegs akkurat funktioniert hat. Also ist alles immer ein kleines Glücksspiel… Aktuell gibt es ja eine Monsunwarnung, also hier riskiere ich mal nichts, aber generell darf man sich vor einer Gewitterwarnung nicht abschrecken lassen. Übrigens ist der UV-Index immer relativ hoch, auch bei bewölktem Himmel – Sonnencreme ist also quasi ein täglicher Begleiter. Oder man macht es wie die einheimischen: Langärmelige Shirts und Hosen.

 

Wasser

Das ist schon ein Luxus den man zu schätzen lernt, wenn man längere Zeit in einem Land ist bei dem man das Leitungswasser nicht trinken kann. Mir ging es schon in Amerika so ab, die gekauften Flaschen nicht wieder mit Wasser auffüllen zu können. Hier ist es ganz gleich, das Leitungswasser stinkt zwar glücklicherweise nicht so sehr nach Chlor wie in den USA, aber es ist mit diversen Chemikalien belastet – und abkochen hilft auch nur bedingt. Ich bin froh in meinem Wohnheim genügend Wasseraufbereitungsmaschinen zu haben, bei denen man sich kaltes, warmes und heißes Wasser runterlassen kann. So hält sich der Plastikmüll diesbzgl. zumindest ein wenig in Grenzen und ich erspare mir das Schleppen der Wasserkanister. Ich muss sagen, dass ich auf das Wasser nicht mit Verdauungsprobleme reagiere ist schon von Vorteil, da man es ja vermutlich doch in Form von Eiswürfeln oder eben Tee zu sich nimmt. Aber zu Hause zum Wasserhahn zu gehen und sich ein frisches Wasser einzuschenken gehört definitiv zu den Dingen, die ich wieder zu schätzen gelernt habe.

 

Beim Korrekturlesen des Beitrags sind mir auf der „Plus-Seite“ noch die convenient stores wie 7-11 und familymart eingefallen, außerdem die Instant Nudelsuppen sowie die Klimaanlagen im Zimmer. Auf der Negativseite könnte ich noch das Brot (es gibt nur süßes, weiches Brot) und den fehlenden Wein hinzufügen :) Also ich bin es einfach gewohnt, mal einen Spritzer zu bestellen oder ein Glas Rotwein zu genießen… beides ist hier entweder nicht vorhanden oder außerhalb meines Budgets, also heißt es: abwarten und (bis dahin) Tee trinken.

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#20 好客

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