#18 Indonesien Teil 3 - Gili Air

#18 Indonesien Teil 3 - Gili Air

Am Hafen in Panemang/Lombok angekommen, standen wir vor dem Haus der Organisation, die die Bootstour organisiert hat. Es hatte 32 Grad, wir waren alle müde und froh, endlich da zu sein. Während wir auf unseren Anschluss auf die jeweiligen Gili-Inseln (3 an der Zahl) warteten, wurde uns ein Ticket für die Weiterreise nach Bali angeboten und ein dazugehöriger Flyer gezeigt. 650.000 Rupiah sollte der notwendige Spaß kosten, also exakt die Summe mit der ich gerechnet habe, als ich mich zu Hause informiert habe. Knapp 50 Euro – das erschien mir schon bei der Planung recht viel im Vergleich zu allem anderen. Aber als der gute Herr dann gleich gemeint hat, dass wir es natürlich günstiger bekommen als Teil der Tour, 550.000 Rupiah, wurde mich schon wieder in Erinnerung gerufen wie der Hase hier läuft. Also handelten wir den Preis auf knapp 25 Euro runter und kauften die Tickets. Dass es auch für knapp 18 Euro möglich gewesen wäre, erfuhren wir später – einer der Gründe, warum mir der dritte Teil der Reise nicht durchwegs positiv in Erinnerung bleiben wird: das Handeln und damit das ständige Gefühl, mehr zu bezahlen als eigentlich notwendig/fair.

Also ging die Reise dann los nach Gili Air, der ersten der drei Inseln, die als Mittelweg zwischen der Partyinsel Gili Trawangan und der ruhigen Flitterwochen-/Pärchen-Insel Gili Meno bekannt ist.
Ein kleines Holzboot wird beladen, Lebensmittelkartons und frische Früchte, Waschmittel und Schachteln mit Gewand. Danach wird ausgerufen, dass das Boot nach Gili Air bereit zum Betreten ist. Da mich hier mittlerweile gar nichts mehr wunderte, zog ich meine Flipflops aus, stapfte ins Wasser, gab mein Ticket ab und hockte mich zwischen Bananenkartons und einige Säcke mit Kartoffeln. Und so füllten sich die Reihen mit ebenso amüsierten Reisenden, die Berge an Rucksäcken wuchsen in der Mitte des Bootes und bald fing der Motor an zu rattern. Nach knappen 15 Minuten war das Spektakel auch schon vorbei, ich schnappte meinen Rucksack und war heilfroh, in knappen 20 Minuten endlich unter der heißersehnten Dusche zu stehen, meine Haare mit duftendem Shampoo zu waschen und mich endlich wieder menschlich fühlen zu können.
Das Hotel & Hostel war wirklich schön, in einer Seitenstraße gelegen, sehr ruhig und mit tollem Ambiente. Captain Coconuts hieß es, und ich war jetzt schon froh, umgebucht zu haben. Außerdem setzt dieses Hostel auf Nachhaltigkeit, es gibt keine Plastikflaschen oder Strohhalme aus Plastik, und alle Produkte werden von Lokalen Bauern angekauft und schonend zubereitet. Entsprach also genau meiner Vorliebe :D

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Rückblende: Bei einem gemütlichen Bier an der Hostelbar in Labuan Bajo lernte ich Albert kennen, der schon bald 50 Länder bereist hat und aus den Niederlanden ist. Wir kamen ins Gespräch, und da kamen wir auch auf Gili Air zu sprechen – von da kam er nämlich gerade. Ich erzählte ihm, dass ich dort ein günstiges Hostel gebucht hätte aber eher unschlüssig bin, da es eher den Eindruck eines Partyhostels machte… außerdem hatten Sie einen Pool in Pilzform (mein erster Gedanke war „Magic Mushroom“ – und ich brauchte nun wirklich kein derartiges Umfeld, erst recht nicht wenn ich entspannen wollte.). Er erzählte mir von seinem Hostel, von den sauberen Duschen und bequemen Betten, dem tollen inkludierten Frühstück und dem gemütlichen Poolbereich. Also kurz auf booking.com geschaut, ob noch ein Bett frei war zu meinen Daten, gebucht, und das Pilzhostel storniert. Und diese Entscheidung war mehr als richtig…

Zurück auf Gili Air: Die Betten im Hostel waren in einem riesigen Bambushaus untergebracht, hingen von der Decke und waren quasi im Freien. Dach über dem Kopf, aber die Seiten waren offen. Klar war es richtig warm, aber dafür gab es Ventilatoren über jedem Bett. Außerdem einen großzügigen Stauraum mit Steckdose, den man absperren konnte. Was will man mehr? Für 14 Euro die Nacht? :)
Das einzige, was mich gegen Ende hin schon ziemlich genervt hat, waren die Mücken/Gelsen/Ameisen die eben klarerweise mit von der Partie waren und mir in der vorletzten Nacht wirklich ganz schöne Male verpasst haben.

Eigentlich bringt es nichts, hier jeden Tag zu beschreiben, denn die verliefen eigentlich recht ähnlich… frühes Schlafengehen (ich war ja zum Entspannen hier :D), demnach auch frühes Aufstehen. Das Frühstück war toll, entweder vegetarisches Omelette, wirklich grandiose Bananenpancakes mit Kokos, oder ein Müsli mit frischem Apfel und Zimt.

Danach spazierte ich eigentlich meistens um die Insel, was knappe 1,5 Stunden in Anspruch nahm. Vorbei an unzähligen Strandbars und Resorts, mal auf befestigtem Weg, mal durch Sand. Hin und wieder wurde ich von Pferdekarren, oder einfach Pferden mit Reiter überholt (Auf der Insel gibt es keine Autos oder Motorräder). Abgesehen von vielen Yogacentern, Tauchschulen und kleinen Verkaufsständen und den erwähnten Unterkünften und Bars gab es hier nichts. Wirklich nichts. Irgendwie entspannend, irgendwie traurig. Denn hier wird nicht mal versucht, die Armut und Überforderung zu verstecken, die hinter all dem Schein steckt. Sobald man nicht dem Strand entlang, sondern quer über die Insel geht, entdeckt man verfallene Blechhütten, Müllberge, kleine Häuser die von wenigen, abgemagerten Hühnern umgackert werden, ein paar Rinder die zwischen Palmen am Gras nagen, und hier und da ein paar Ziegen. Aber auch direkt am Strand, zwischen den Bars oder in der Nähe des Hafens, Müll und hin und wieder Kinder, die sich im Meer waschen. Mir ist wirklich aufgefallen, dass der Tourismus hier angekommen ist, bevor die Leute bereit dafür waren. Nach einem Gespräch mit einem Kellner, wurde mir das auch bestätigt: Die Menschen versuchen, sich einen Teil des Kuchens zu sichern – ohne dabei an Fairness, Nachhaltigkeit und Aufrichtigkeit zu denken. Für solche Werte sei eben kein Platz, wenn man gewinnen möchte. Dadurch werden die Menschen in ihrer Art, Geschäfte zu machen bestätigt und werden das natürlich auch nicht ändern. Diese Entwicklung mache ihn traurig, aber das wäre jetzt nun mal sein Job.


Um dieses Thema anhand eines praktischen Beispiels abzuhaken (um den Blogeintrag dann mit positiven Eindrücken abschließen zu können), erzähle ich nun von meiner Abreise:
Das Ticket sollte mich von Gili Air nach Bali, Padang Bai bringen. Inkludiert ist auch ein Shuttletransfer zum Flughafen (oder zu anderen Orten auf der Insel). Die Bootsfahrt dauert ca. 1,5 Stunden, um 11 Uhr war Abfahrt. Soviel zur Theorie.
Mein Flug ging um 19.00 Uhr abends, also 6 Stunden Zeit, um 2 Stunden vorher einzuchecken, ich fühlte mich recht sicher… das sollte doch eigentlich selbst mit indonesischer Gemütlichkeit gut klappen.
Um 11.40 legte endlich das richtige Boot am Hafen von Gili Air an. Ein wenig klein erschien es mir, außerdem viel zu viele Menschen auf zu engem Raum… Ernüchterung, als wir am Hafen Lombok anlegten (also der Ausgangshafen von Tag 1, 15 Minuten Bootsfahrt). Dort wurden wir gebeten am Steg zu warten, das Speedboat sollte bald kommen. Um 12.45 legte selbiges an (dass das Warten in der prallen Mittagssonne meine Laune nicht hob, ist glaub ich selbsterklärend…), die vorigen Passagiere stiegen aus, die neuen ein. Beim Einsteigen wurde uns das Ticket abgenommen, und auf meinen Kommentar, dass ich das Ticket für das Shuttle noch benötige, wurde ich damit vertröstet, dass wir einen Coupon bekommen. Na gut, die machen das ja tagtäglich, dachte ich mir. Um 13.30 waren wir dann endlich am Weg nach Bali (aktuell 2,5 Stunden Verspätung, nur um das festzuhalten.). Dort angekommen, bekamen wir jedoch beim Aussteigen keine Coupons mehr, aber wurden gleich zu unserem Shuttleservice durchgewunken. Zu einem Mann, der ein Schild hochhielt auf dem der Name der Firma stand, die mir das Ticket verkaufte. Er fragte wohin ich müsste, und als ich mit „Flughafen“ antwortete, fragte er gleich nach meiner Abflugszeit. „Oh, ich bin mir nicht sicher ob sich das ausgeht. Wir haben heute 12 Gäste, und je nachdem wohin die müssen, kann das schön dauern…“ „Sie fahren wohl nicht jede Stadt an, oder? Sondern sammeln Leute, und bringen Sie gruppiert zu ihren Zielen…?“ „Nein, ich fahre alle an ihre Wunschdestination. Sie können aber ein Taxi nehmen, ich denke es wird heute länger dauern, da sind so viele Leute am Boot gewesen, bis die alle ihr Gepäck haben und so weiter…“ und natürlich schwirrten unmengen Taxifahrer herum und machten einem Druck, dass man sonst ziemlich sicher den Flug verpassen würde. Langsam machte sich Panik breit. Die Uhr zeigte 15.30, also 2,5 Stunden Zeit… Ich fragte ein paar andere Leute, ob sie zum Flughafen müssten, fand auch 2 die ebenfalls um 7 einen Flug hatten, aber die hatten kein Bargeld mehr bei sich um sich ein Taxi zu teilen. Nun gut, also riskierte ich die Shuttlefahrt. Beim warten traf ich einen Mann aus Deutschland, dem ebenfalls kein Coupon gegeben wurde (und vielen weiteren ebenfalls nicht), und der Mann mit dem Schild meinte, er hätte gesehen dass wir aus dem Boot kamen, es sei kein Problem.
Als dann das Warten auf die anderen ein Ende hatte und es zum Shuttlebus ging, sollten wir auf einmal ein Ticket vorweisen. Wir fielen aus allen Wolken, uns wurde doch versichert es sei okay dass wir kein Ticket hätten. Auf einmal offenbar nicht mehr, und nachdem diskutieren auch nicht half, rannten wir zurück zum Boot um unser Ticket zu holen. Dort glaubte man uns auf einmal auch nicht mehr, dass wir an Board waren. Eine Mischung aus Wut und Angst machte sich in mir breit, und ich konnte mich nicht mehr zurückhalten und änderte die Taktik von „Fragen“ zu „Fordern“, bis sie uns schließlich ein Ticket gaben. Zurück zum Shuttlebus, wurde uns unterstellt, das wäre nicht unser Ticket und wir würden sie betrügen – wir sollten doch bitte endlich ein Taxi nehmen und uns nicht lächerlich machen. Übrigens wurde sehr wohl gruppiert und der Mann mit dem Schild fuhr überhaupt nirgendwo hin.
Jetzt langte es endgültig. Der Busfahrer weigerte sich uns mitzunehmen, was mir jedoch herzlich egal war. Ich blieb einfach bei der Gruppe, stellte meinen Rucksack in den Kofferraum und setzte mich in den Bus. Wir wussten beide, dass ich im Recht war, also ersparte er mir eine Diskussion und nahm mich stillschweigend mit. Gerade noch rechtzeitig kam ich am Flughafen an, 1,5 Stunden vor Abflug, und da die Sicherheits- und Passkontrolle ewig dauerte, war ich erst 20 Minuten vor dem Boarding am Gate, welches sich natürlich auch noch geändert hatte, während ich in der Kontrolle stand. Eine entspannte Abreise ist also anders… Dreiste Lügen und wirklich unfaire Mittel um den Leuten noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen – ich war mit diesem Teil Indonesiens wirklich fertig.

Aber zurück zu den positiven Momenten auf Gili Air:
Die Strandbars sind richtig gemütlich, man hat diese kleinen Pavillons mit Pölstern und Aussicht aufs Meer, dazu gute Musik und herrlichen Sonnenschein. Außerdem gab es hier endlich wieder Kokosnüsse! Und die waren für knapp 2 Euro so erschwinglich, dass ich fast täglich eine genossen habe. Das Essen war teilweise sehr westlich, es gab oft italienische Gerichte und natürlich Burger, aber auch vietnamesisches Essen und natürlich Nasi Goreng. Schade, dass es nicht so viel supergesundes Essen wie in Ubud gab, aber dafür hatten sehr viele Lokale abends den Grill angeworfen. Während man der Promenade entlang schlenderte, konnte man den fangfrischen Fisch in den Kühlungen begutachten und sich so sein Abendessen zusammenstellen: Fisch, Gemüse und Beilagen nach Wahl, Salat. Da ich jedoch kein Freund davon bin, den ganzen Fisch am Teller zu haben, ließ ich das aus. Stattdessen genoss ich Thunfischburger, Sommerrollen mit Erdnussdip, Burschetta, Ceviche mit Schnapper, Sandwiches und natürlich Nasi Goreng. Also auf die Figur geschaut hab ich auf Gili Air eindeutig nicht :D

Die Tage waren wirklich wahnsinnig entspannt… ich habe ein ganzes Buch ausgelesen, wieder viel gezeichnet, bin am Pool gelegen und Kokosnüsse genossen, mit hin und wieder einen Cocktail gegönnt und natürlich die wunderbaren Sonnenuntergänge angeschaut. Einen Vormittag lang versuchte ich mein Glück beim Schnorcheln jedoch bekam ich keine der Schildkröten zu Gesicht, die sich hier tummeln sollten. Natürlich hätte ich eine der unzähligen Touren machen können oder gleich einen Tauchkurs, aber dadurch dass ich mich nicht zu 100% wohl gefühlt habe, wollte ich auch nicht mehr Geld als notwendig ausgeben. Außerdem hatte ich am Boot wirklich tolle Schnorchel-Momente, und Schildkröten konnte ich in Taiwan auch sehen.

Auf Gili Air gibt es übrigens keine Polizei. Und, ihr erinnert euch, mein erstes Hostel, mit dem Pilzpool? Das kam tatsächlich nicht von ungefähr. Gleich am ersten Tag wurden mir Magic Mushrooms und Gras angeboten… und das nicht etwa unauffällig auf der Straße, sondern vom Kellner einer Bar. Sie hätten gerade eine frische Lieferung bekommen, hieß es – ich lehnte (ein wenig verstört und ungläubig) dankend ab. Nach kurzer Recherche stelle ich fest, dass es hier gang und gäbe ist, derlei Drogen zu konsumieren. Na gut, für viele vielleicht interessant, für mich eher nicht.

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Übrigens waren diese paar Tage die ersten seit ich tätowiert bin, in denen ich meine Tattoos bewusst versteckt habe, um meine Ruhe zu haben (Glücklicherweise habe ich diese luftigen Hippiehosen in Ubud gekauft!). Ich wurde am ersten Tag einfach ständig darauf angesprochen, ungelogen auf 200 Meter Promenade bekam ich 10 mal „Nice Tattoo!“ hinterhergerufen, und irgendwann nervt das einfach nur unglaublich. Einmal machte ich den Fehler und beging meine tägliche Runde um die Insel in kurzen Hosen… ich war nach dieser Runde einfach so genervt, dass ich mir direkt eine Kokosnuss geholt habe und zum abreagieren gefühlte 100 Längen im Pool geschwommen bin. :D Außerdem wird man als Alleinreisende durchgehend angequatscht und angeflirtet… einfach garnicht mein Fall.

Zusammenfassend würde ich meinen Indonesienaufenthalt als sehr abwechslungsreich und erlebnisintensiv beschreiben. Kaum vorstellbar, dass all dies in weniger als 2 Wochen passiert ist. Für mich bedeutet Reisen so viel mehr als nur „schöne Orte sehen“ oder „Entspannen am Meer“ – ich lerne gerne lokale Traditionen kennen, beobachte Menschen bei ihrem täglichen Leben, nehmen mir gerne Zeit um über mein Leben nachzudenken und suche Wege, das Erlebte so zu verarbeiten, dass es mich auf persönlicher Ebene irgendwie bereichert. Indonesien hat mir wieder in Erinnerung gerufen, dass es nicht notwendig ist, Menschen mehr Energie und Aufmerksamkeit zu schenken, als sie auf lange Sicht zurückgeben (If it’s not a „hell yes“, it’s a no.). Außerdem hat mir die Zeit gelehrt, wieder ein wenig mehr auf mein Bauchgefühl zu hören und meine Taten mehr danach auszurichten (Hätte mir am Boot zum Beispiel einiges an Theater erspart…). Und zu guter Letzt weiß ich, dass ich einige Tage ohne Komfort ohne weiteres aushalte: Demnach werde ich mich im Sommer wohl in ein paar richtig coole Abenteuer stürzen und mit Scooter und Kamera tolle Momente genießen.

Ein eher nüchterner Bericht über eine Insel, die für viele ein Paradies ist, oder? Aber Ansichten und Meinungen sind glücklicherweise verschieden, und ich bin dankbar dafür, sowohl die guten, also auch die schlechten Erfahrungen sammeln zu können – nur so entwickelt man sich weiter :)

#19 - 汤

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#17 Indonesien Teil 2 - Bootstour

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